Ägyptisches Grabrelief aus Memphis

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Ägyptisches Grabrelief aus Memphis
Das Flachrelief zeigt unten eine Speisetischszene, oben eine hieroglyphische Inschrift, welche den Verstorbenen Ptah-nefer, den Priester und die Opfergaben benennt. Eine Übersetzung des renommierten Ägyptologen Professor Kurth liegt vor. Es handelt sich um ein Kunstwerk aus der 26. Dynastie, das den Stil des Alten Reichs wiederaufgreift.
21.800 €

Verfügbarkeit: Verfügbar

Objektnummer: AR2538
Details

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Objekt: Ägyptisches Grabrelief aus Memphis mit Speisetischszene

Material: Kalkstein.

Datierung: Spätzeit des Altes Ägypten,
26. Dynastie,
664 v. Chr. bis 525 v. Chr.
Das Werk greift die Kunst des Alten Reichs wieder auf, dessen Stil in dem Relief deutlich sichtbar ist.

Beschreibung:    Ägyptisches Grabrelief in Form eines Fragments, das vermutlich einst Teil einer Grabwand war. Die Vorderseite ist als Flachrelief gearbeitet und zeigt als Ausschnitt eine Speisetischszene mit darüber angeordneten Registern hieroglyphischer Inschrift. In der Szene dargestellt ist der Verstorbene vor dem Speisezisch bzw. Opfertisch. Er ist mit einem kurzen Schurz bekleidet und sitzt aufrecht auf einem schönen Sitzhocker. Der Hocker hat Rinderfüße und endet hinten in Papyrusblüten. Die linke Hand des Verstorbenen ist zur Schulter erhoben und hält vermutlich einen Wedel. Die recht Hand liegt auf dem Tisch vor ihm. Der Tisch hat einen zentralen hohen Fuß, auf der Tischplatte stehen zehn Brotlaibe. Auf der anderen Seite des Tisches ist eine stehende Figur im Profil, ein Priester. Dahinter erkennt man die Seite einer weiteren stehenden Figur, die zu einer anderen Szene gehört.
Die hieroglyphische Inschrift bei Speisetischszenen dieser Art benennt typischerweise den Toten und listet die Opfergaben auf. Speziell für dieses Stück wurde die folgende Übersetzung von Herrn Prof. Dr. Kurth angefertigt, emeritierter Professor für Ägyptologie an der Universität Hamburg.

Oberste waagerechte Zeile:
  [… … …
  Der Fürst, der sehr Reine, der Herr der/des [… … …


Die fünf Textkolumnen über dem Mann am Speisetisch, auf diesen bezogen:
  1. Der Edle, der Hochrangige, der das Land am Leben erhält,
  2. der Aktenschreiber des Königs, [… …]
  3. Vorsteher aller nördlichen Wüstengebiete,
  4. Ptah-nefer, Sohn des Tscha-nefer,
  5. dessen Mutter Necht-mut-iru ist.
Die Titel der ersten Kolumne sind Ehrentitel oder Hofrangtitel, die keine reale Funktion angeben. Die beiden männlichen Namen sind auch für die Spätzeit mehrfach belegt, der Name der Mutter nur für die Spätzeit, was einen Hinweis auf die Datierung gibt.

Unter dem Speisentisch:
  Tausend an Brot, tausend an Bier, tausend an Rindfleisch, tausend an Geflügel.

Die drei Zeilen rechts über dem stehenden Mann:
  1. Der Gottesvater des Gottes Ptah, Gottesdiener der Göttin Sachmet, Gottesdiener [… … …]
  2. er sagt: „Ich habe fortdauern lassen den Namen dieses Großen auf [… …]
  3. weil er so viel Nützliches geschaffen hat im Tempel der Göttin Sachmet.“
„Gottesvater“ und „Gottesdiener“ sind Priestertitel; letzterer hat höheren Rang, wird auch mit „Prophet“ übersetzt. Der Name des Mannes, der vor dem Speisetisch steht, ist leider nicht erhalten; er stand am Ende der ersten Zeile. Aus diesen drei Zeilen geht klar hervor, dass das vorliegende Grabrelief aus Memphis stammt.

Außerdem ist mit den beiden oberen waagerechten Zeilen ein Text erhalten, der sich auf eine nicht zur Speisetisch-Szene gehörende Figur bezieht, die größer dargestellt ist und nach links blickt.
  erzeugt vom Gottesdiener (namens) Der-Gottesdiener, geboren von der Hausherrin [… … …

Das gut erhaltene Flachrelief und insbesondere die detaillierte Übersetzung machen dieses Objekt zu einem großartigen Fenster in die Vergangenheit.

Anmerkungen: Mit der 26. Dynastie wurde in Ägypten erstmals nach Jahrhunderten des Verfalls wieder ein stabiles Staatswesen etabliert. In dieser Epoche der Restauration erhielten Kunst und Religion neue Impulse. Man orientierte sich wieder an frühen ägyptischen Normen und Vorstellungen. In diesem Zusammenhang muss das vorliegende Relief gesehen werden, welches Traditionen der Kunst und des Glaubens aus dem Alten Reich aufgreift.
Der ägyptische Totenkult war nach festen Regeln organisiert. Die hier dargestellte Szene mit am Opfertisch sitzendem Toten war im Alten Reich ein notwendiger Bestandteil der Grabdekoration. Auffallend ist die innere Ruhe und Monumentalität der Darstellung. Eine solche Szene war nie für menschliche Betrachter gedacht, sondern wurde für eine unzugängliche Grabkammer ohne Tageslicht erschaffen.

Maße: Ca. 38cm x 39cm ohne Ständer. Höhe mit Ständer ca. 44cm.

Zustand: Fragment einer Grabwand. Das flache Relief auf der Vorderseite ist bis auf kleine Bestoßungen hervorragend erhalten und gut erkennbar. Die Rückseite wurde in neuerer Zeit professionell glatt gesägt und die gesamte Platte auf einen Metallständer montiert.

Provenienz: 2015 in den USA erworben von G. Vandervort. Zuvor in US-amerikanischem Privatbesitz. In diesen 2002 durch Erbschaft aus der Sammlung Thomas und Marie Patton. Die Sammlung Patton wurde in den späten 1970er bis 1980er Jahren aufgebaut. Wie die meisten Stücke der Sammlung wurde vermutlich auch diese Grabplatte im europäischen Kunsthandel erworben.

Referenzen: Vgl. Werke der Kunst in Heidelberg, E. Otto, Aus der Sammlung des ägyptologischen Instituts der Universität Heidelberg, S. 14f, Abb. 10.
Vgl. Boston Museum of Fine Arts, Inv.nr. 12.1510.
Eine wissenschaftliche Publikation des Grabreliefs durch Herrn Prof. Kurth ist in Arbeit.

Literatur: Zu den ägyptischen Totenriten, Erik Hornung, Das Totenbuch der Ägypter (1979)
und für eine Bebilderung Evelyn Rossiter, Die ägyptischen Totenbücher (1984).

Echtheit: Die Echtheit wird, wie bei allen unseren Objekten, ohne zeitliche Einschränkung garantiert.