Apulischer Glockenkrater aus alter Sammlung

Apulischer Glockenkrater aus alter Sammlung
Gefäß zur Mischung von Wasser und Wein in exzellenter Erhaltung. Mit figürlicher Darstellung auf jeder Seite.
3.500 €

Verfügbarkeit: Verfügbar

Objektnummer: AR3098
Details

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Objekt: Glockenkrater (Weinmischgefäß)

Material: Roter Ton mit schwarzem Überzug und weißer Bemalung

Datierung: 4. Jh. v. Chr.
Späte Klassik - frühe hellenistische Epoche.

Beschreibung:    Glockenkrater, im rotfigurigen Stil gestaltet. Großes Gefäß zur Mischung von Wasser und Wein, welches bei Symposien Einsatz fand. Die Form erinnert an eine umgedrehte Glocke, sie entwickelte sich im 5. Jh. v. Chr.

Die eine Bildseite zeigt eine nach rechts stehende, mit einem langen gegürteten Chiton bekleidete Frau. Die Haare sind sorgfältig zu einer Melonenfrisur geformt. In der Linken hält sie ein Musikinstrument, die Rechte stützt sich auf eine lange gerade Ranke mit Blättern und Früchten im oberen Bereich. Zu ihren Füßen ein entzündeter Altar, im Feld weitere Dekorelemente. Das Bildfeld wird zu beiden Seiten durch eine Halbvolute gerahmt.

In der zweiten Bildhälfte ein großer Frauenkopf nach rechts blickend, mit weißem Diadem, zu jeder Seite Halbvolute, im Feld weitere Dekorelemente.

Den unteren Abschluss bildet ein "laufender Hund". An den Seiten jeweils ein gerade angesetzter, vertikal nach oben abknickender Henkel. Unter der Mündung des Kraters umlaufendes Band aus dreieckigen Blättern. Innenseite vollständig schwarz überzogen, am Übergang von der Innenseite zur Lippe ein ca. 3mm schmales dunkelrotes Band, ein weiteres solches Band trennt optisch den nach unten abgeknickten äußeren Lippenrand.

Maße: Höhe 233 mm, Durchmesser 255 mm.

Zustand: Sehr guter Zustand. Körper fast vollständig erhalten, eine Abplatzung am Standdiskus restauriert und ergänzt, sowie ein Loch oberhalb des Fußes restauriert und ergänzt. Lediglich minimaler Abrieb und kleine Risse an der Oberfläche, die den Gesamteindruck und die ansonsten vollständig erhaltene Bemalung jedoch nicht stören. Beiliegender alter Zettel mit Schreibmaschinenschrift "7 Glockenkrater ca. 300 vor Chr." auf einer Seite, Handschrift "Apulien" auf der anderen Seite.

Historisches: Ca. 300 Jahre lang importierten die griechischen Kolonien auf italischem Boden Keramiken zuerst aus Korinth und später aus Athen. Im 5. Jh. begannen sich jedoch lokale Manufakturen herauszubilden und zwischen ca. 440 v. Chr. und 300 v. Chr. erleben die unteritalischen Produktionszentren ihre Blütezeit. Die meisten Exemplare brachte die apulische Vasenmalerei hervor: von den ca. 20.000 erhaltenen unteritalischen Stücken zählt ca. die Hälfte zu dieser Gruppe. Das Produktionszentrum befand sich in Tarent. Die apulische Vasenmalerei lässt sich grob in zwei Stilgruppen unterteilen, nämlich in "plain" und "ornate". Der Plain-Stil zeichnet sich durch einfaches Dekor und Bildkompositionen mit wenigen Figuren sowie einen weitgehenden verzicht auf Zusatzfarben aus, er fand vor allem auf Glocken- und Kolonnenkrateren sowie bei kleineren Gefäßen Verwendung. Im Ornate-Stil wurden dagegen meist größere Gefäße verziert. Die Darstellungen konnten zweiregistrig sein und mehrere Dutzend Personen umfassen, hinzu kamen ab der Mitte des 4. Jh. üppige Ornamente. Zusatzfarben (weiß, rot, gelb) wurden im großen Rahmen eingesetzt. Beliebte Motive in der apulischen Vasenmalerei waren mythologische Szenen, Theaterdarstellungen und Darstellungen aus dem Grabkult.

Neben der apulischen Vasenmalerei bildet die kampanische die zweitstärkste Gruppe. Zum motivischen Repertoire gehörten in dieser Gruppe vor allem Frauen- und Jünglingsgestalten, Kriegerdarstellungen und Tierbilder. Die Rückseiten der Gefäße zierten häufig Darstellungen von Manteljünglingen. Ein Stilmerkmal war die glockenförmige Ausführung der Blumendarstellungen. Weitere unteritalische Produktionszentren waren Paestum, Lukanien und Sizilien.

Literatur: A. D. Trendall, The red-figured vases of Lucania, Campania and Sicily (Oxford 1967)
A. D. Trendall, The red-figured vases of Lucania, Campania and Sicily. Supplements (London 1970, 1973 und 1983, 3 Bände)
A. D. Trendall - A. Cambitoglou, The red-figured vases of Apulia. Early and middle Apulian (Oxford 1978)
A. D. Trendall - A. Cambitoglou, The red-figured vases of Apulia. Late Apulian (Oxford 1982)
A. D. Trendall - A. Cambitoglou, The red-figured vases of Apulia. Supplements (Oxford 1983, 1991 und 1992)
A. D. Trendall, Rotfigurige Vasen aus Unteritalien und Sizilien: ein Handbuch (Mainz am Rhein 1990)
K. Schauenburg, Studien zur unteritalischen Vasenmalerei (Kiel 1999 - 2010, 14 Bände

Provenienz: Erworben 2020 aus dem deutschen Privatbesitz G. Palmans. Schenkung von Hr. H. J. Oszkinat aus dem Jahr 1980. Zuvor ausgestellt in einem Optikergeschäft in Essen zu Dekorationszwecken im Schaufenster als Leihgabe des Schwagers des Geschäftsinhabers Bruno Keuter, der als Archäologe oder als Laienarchäologe in Xanten tätig war.

Echtheit: Die Echtheit wird, wie bei allen unseren Objekten, ohne zeitliche Einschränkung garantiert.