In der griechischen und hellenistischen Epoche waren Mosaike meist elaborierte Kunstwerke, welche Böden und Wände zierten [hier und im Folgenden Quelle 1, siehe unten]. In der späten Republik und der frühen römischer Kaiserzeit verkam das Mosaik zunächst weitgehend von einer exquisiten Kunst zu einem gewöhnlichen und standardisierten Gestaltungsmedium. So waren im 1. Jh. n. Chr. vor allem bichrome Mosaike aus schwarzen und weißen Steintesserae beliebt, welche meist geometrische Motive zeigten [2]. Bodenmosaike gehörten dabei zur Standardausstattung von Villen, Bädern oder auch Grabstätten, als Beispiel extensiver Verbreitung sei Ostia genannt. Ab dem 2. Jh. beginnen sich wieder - zum Teil sehr detaillierte und raffinierte - figürliche Darstellungen zu etablieren, welche durch ihre Farbenvielfalt bestechen [3,4,5]. Berühmt ist dabei Antiochia [6], aber auch die nordafrikanischen Provinzen und Sizilien (Villa von Casale). Im 3. Jh. ändert sich die Bedeutung des Mosaiks radikal, kultische Motive treten vermehrt auf. Die aktuelle Forschung nimmt an, dass diese Änderung das Abwenden von der Kultplastik zu zweidimensionalen Darstellungen hin bezeugt. Parallel kommen natürlich auch weiter die beliebten dekorativen Motive mit Pflanzen, Tieren und Szenen des täglichen Lebens vor [7].

 

Im 4. Jh. beginnt ein - zunächst schleichender - Übergang zu den christlichen Bildmotiven. Erste erhaltene Monumente sind dabei das Mausoleum der Constantina in Rom, Centcelles in Spanien sowie die Kathedrale von Aquileia. In letzterer finden sich nicht nur ein musivischer Jonas-Zyklus, sondern auch Tierdarstellungen mit christlicher Symbolik (Lamm, trinkender Hirsch) sowie Eucharistische Darstellungen (Brot und Wein). Nach und nach vollzieht sich im vierten und fünften Jahrhundert eine Umdeutung der "paganen" römischen Ikonographie und eine Entwicklung und Etablierung der christlichen Ikonographie. Als imposante Beispiele frühchristlicher Mosaiken seien Santa Maria Maggiore in Rom sowie die Ravennatischen Mosaike [8] ausgewählt und hervorgehoben.


Beispiel eines spätantiken Mosaiks:

  Sehr großes polychromes römisches Mosaik - stehender Pfau

Literatur:

[1] Encyclopepaedia Britannica, sub voce mosaic

[2] M. E. Blake, The pavements of the Roman buildings of the Republic and early Empire, Memoirs of the American Academy in Rome 8, 1930, 7–159

[3] M. E. Blake, Roman mosaics of the second century in Italy, Memoirs of the American Academy in Rome 13, 1936, 67–214

[4] M. Donderer, Die Chronologie der römischen Mosaiken in Venetien und Istrien bis zur Zeit der Antonine (Berlin 1986)

[5] H. Joyce, The Decoration of Walls, Ceilings and Floors in Italy in the Second and Third Centuries AD (Rom 1981)

[6] F. Cimok (Hrsg.), Antioch Mosaics: A Corpus (Istanbul 2000)

[7] M. E. Blake, Mosaics of the Late Empire in Rome and vicinity, Memoirs of the American Academy in Rome 17, 1940, 81-130

[8] F. W. Deichmann, Ravenna (Stuttgart 1969-1989, mehrere Bände)