Die für die Kultur namensgebende Lausitz (an der heutigen deutsch-polnischen Grenze) grenzte damals an das Gebiet der im Westen gelegenen Kulturen, die zusammenfassend als Urnenfelderkultur bezeichnet werden. In der Lausitz wurden die ersten charakteristischen archäologischen Funde gemacht, woraufhin 1880 die Namensschöpfung durch Rudolf Virchow vollzogen wurde. Doch das Gebiet des Kulturkreises erstreckte sich von dort aus weit in Richtung Osten, bis jenseits der Weichsel. Dank günstiger klimatischer Verhältnisse erlebte die Region gegen Ende der Bronzezeit eine kulturelle Blüte. Mit dem Beginn der Eisenzeit kann man zunehmend Differenzierungen innerhalb der zuvor einheitlich scheinenden Kulturgruppe ausmachen.

Dank vieler groß angelegter Gräberfelder, die bemerkenswerterweise über Jahrhunderte hinweg genutzt wurden, gibt es seit dem 19. Jahrhundert reiche archäologische Funde. Einige solcher Felder wiesen über 1000 Bestattungen auf. In Konsequenz wurde bei der chronologischen und räumlichen Gliederung der Kultur in der Geschichtsforschung hauptsächlich auf Grabfunde zurückgegriffen. Über das Siedlungswesen ist dagegen weniger bekannt, weil die Fundlage schlechter ist.

Museen und Sammler können aufgrund der zahlreichen Keramikfunde zu günstigen Preisen das Erbe dieser wichtigen europäischen Kultur des Schlüsselzeitalters zwischen Bronze- und Eisenzeit betrachten.

Keramiken sind üblicher Bestandteil von Gräbern. Für die Nachwelt wurde ein umfangreicher Geschirrsatz aus Keramikgefäßen mitgegeben. Teils waren die Gefäße mit Speisen gefüllt, dessen Reste bei Ausgrabungen entdeckt wurden. Bronzebeigaben waren selten. Auch bei den später aufkommenden Mehrfachbestattungen, bei denen Gräber gleich einer Gruft vielfach verwendet wurden, hatten die Keramikbeigaben weiterhin bestand, vermehrten sich sogar noch in ihrer Anzahl. Diese Bestattungssitte wurde bis in die Eisenzeit unter leichten Veränderungen beibehalten. Die Anzahl der Keramikbeigaben nimmt weiter zu, jedoch werden die Gefäßgrößen statistisch kleiner. Häufig haben die Gefäße dieser Zeit einen Überzug aus Graphit, der Ihnen einen metallähnlichen Glanz verleiht. Eine Neuerung sind Gefäße mit anthropomorphen Strichverzierungen sowie Keramikmodelle von realen Öfen.

 

Literatur:

J. Kneisel, Anthropomorphe Gefäße in Nord- und Mitteleuropa während der Bronze- und Eisenzeit. Studien zu den Gesichtsurnen - Kontaktzonen, Chronologie und sozialer Kontext. Stud. z. Archäol. in Ostmitteleuropa, 7 (2012). T. Malinowski, Gesichtsurnen der frühen Eisenzeit in Polen und die Frage ihres Zusammenhanges mit den Gesichtsurnen aus dem Gebiete Mitteldeutschlands. In Nordharzer Jahrbuch 1965/66, Bd. II (Halberstadt 1967).

J. Schneider, Studien zur Lausitzer Kultur (1958)

S. Gollub, Endbronzezeitliche Gräber in Mittel- und Oberschlesien (1960)

A. Gardawski, Lauitzer Kultur oder "Lausitzer Stil"? Arbeits- und Forschungsber. Sächsische Bodendenkmalpflege 20/21 (1976) S. 131-149

M. Gedl, Stufengliederung und Chronologie des Gräberfeldes der Lausitzer Kultur in Kietrz. Prace Archeologiczne 27 (1985)