Die Sasaniden (auch Sassaniden) wurden nach ihrem Eroberungszug gegen die Parther im Jahr 220 n.Chr. die vorherrschende Macht im Nahen Osten und blieben es bis zur arabischen Eroberung 642 n.Chr. oder politisch gesehen bis zum Tod des Großkönigs Yazdegerd III. im Jahr 651 n.Chr. Dieses zweite persische Großreich erstreckte sich über weite Teile des heutigen Irans und Iraks und dehnte seinen kulturellen und wirtschaftlichen Einfluss im gesamten Nahen Osten aus. Die Religion der Sasaniden war der Zoroastrismus, der auf die Lehre des Zarathustra (griech.: Zoroaster) gründet. Die entsprechende Kultur findet sich heute noch in vielfältiger Weise in den erhaltenen Artefakten wieder, nicht zuletzt in den Münzen und Siegeln.
Sasanidische Stempelsiegel hatten meist eine ellipsoide Form und ein eingeritztes Dekor, welches durch die verwendeten durchschimmernden Steine effektvoll hervorgehoben wurde. Das typische große Öhr der Siegel ermöglichte das Tragen an Schmuckketten oder an einfachen Bändern. Die relativ große Zahl an Siegeln, die noch heute gefunden wird, lässt darauf schließen, dass einst viele Menschen diese Siegel besaßen. Bedeutende Sammlungen befinden sich sowohl in manchen Museen (Berlin, BM), als auch in privater Hand (Anavian). Über die genaue Datierung und Typisierung sasanidischer Siegel ist man sich in der Forschung uneins. Münzen aus dieser Zeit sind nur bedingt für einen Abgleich geeignet, da auch auf diesem Gebiet gewissen Unsicherheiten bestehen. Die Ausgrabungsfunde sind nicht zahlreich genug um eine Typologie zu erarbeiten.
Da die typische bildhafte Darstellung der Siegel nicht der islamischen Kultur entsprach verschwand die Kunst des Siegelschneidens nach der arabischen Eroberung schnell und die sasanidische Kultur geriet in Vergessenheit.


Literatur:
Als Standard dienen die Werke von Göbl (1973) und Brunner (1978). Weitere Literatur finden Sie in unseren Ausführungen über Literatur zu Stempelsiegeln allgemein, z.B.
Frye, Richard N., "Sasanian Remains from Qasr-i Abu Nasr: Seals, Sealings, and Coins", Harvard University Press (1973).
Als allgemeinen Einblick in die Kunst z.B.
Kurt Erdmann, "Die Kunst Irans zur Zeit der Sasaniden", F. Kupgerb. (1943).