Wochengötterstein einer Jupitersäule

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Wochengötterstein einer Jupitersäule
Mehrfach publizierte Basis einer Jupitergigantensäule, römische Provinz Germania superior. Mitte 2. bis Mitte 3. Jh. n. Chr. Mit umfangreicher Provenienz bis ins 17. Jahrhundert.
13.400 €

Verfügbarkeit: Verfügbar

Objektnummer: AR1905
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Objekt: Wochengötterstein einer Jupitergigantensäule

Material: Beigefarbener Sandstein.
Der Stein oder die fertige Säule wurden aus einer anderen Region geliefert, da das lokale Hornisgrindegebiet in der Ortenau für den Buntsandsteinabbau in römsicher Zeit noch nicht erschlossen war.

Datierung: Mitte 2. Jh. n. Chr. bis Mitte 3. Jh. n. Chr.,
Römische Epoche.

Beschreibung:    Basis einer Jupitergigantensäule / Jupitersäule aus der Ortenau, als Wochengötterstein gestaltet. Ursprünglich achteckiger Stein, die sich derart ergebenden Seitenfelder durch Kanten getrennt. In jedem der acht Felder eine Götterdarstellung. Einem Ort bei Achern zugeordnet, nahe Straßburg, ehemals römische Provinz Germania superior.

Massiver Sandstein mit einem gleichseitigen Achteck als Grundfläche, senkrecht nach oben laufende Seiten. Etwa 1/3 des Steins wurde vertikal abgetragen, so dass noch 5 der ursprünglichen Seitenflächen erhalten sind, die 3 verbliebenen fehlen weitgehend. Der Abtrag ist in Fragmenten mindestens teilweise erhalten und wird mitgeliefert. Auf den intakten Seiten sind Figuren im Halbrelief unter einem Rundbogen stehend dargestellt, optisch getrennt durch die vertikalen Kanten zwischen den Seitenflächen. Der untere Teil des Steins, mit den Füßen der Figuren, ist abgetrennt und fehlt.

Bei dem Stein handelt es sich um den im Sockel einer Jupitergigantensäule verbauten Götterstein, der in diesem Fall die Wochentage personifiziert. In den Reliefbildern sind die Tagesgötter dargestellt, die die Wochentage repräsentieren. Die fünf erhaltenen Seiten zeigen menschliche Gestalten als Flachrelief, zwei von ihnen bekleidet, drei unbekleidet. Die starke Verwitterung der Körper und der Attribute lässt keine direkte Identifizierung zu, jedoch kann im Analogieschluss zu anderen Wochengöttersteinen folgende Interpretation gemacht werden [1]:
Die Reihe beginnt mit einer Darstellung des Sonnengotts Sol (Sonntag), dessen Unterkörper fragmentarisch erhalten ist. Die erste erhaltene Figur, die auf der rechten Seite anschließt, ist eine Frau in gegürteter Tunika. Es ist die Mondgöttin Luna (Montag). Die Reihe setzt fort mit dem Kriegsgott Mars (Dienstag), als kräftiger, junger Mann dargestellt. Ihm folgt ein Mann mit gedrungenem Körper und großem, rundlichen Kopf: Merkur (Mittwoch), der für Handel und Verkehr steht. Der Göttervater Jupiter (Donnerstag) ist im nächsten Reliefbild als kräftiger Mann, vermutlich mit Bart dargestellt. Die letzte vollständig erhaltene Figur der Reihe ist Venus (Freitag), die Göttin der Liebe, die sich als kräftig gebaute Frau in gegürteter Tunika ausmachen lässt. Der logische Nachfolger ist Saturn (Samstag), Gott der Aussaat, von dem jedoch nur die Schenkel erhalten blieben. Für die achte Fläche des Steins kann eine Darstellung der Victoria angenommen werden, der Personifikation des Sieges, Schutzgöttin des römischen Kaisers und Hüterin des Reiches. Dies wäre in Übereinstimmung mit anderen Wochengöttersteinen.

Anmerkungen: Jupitersäulen verbreiteten sich ab der 2. Hälfte des 1. Jh. n. Chr. von Mainz aus in Obergermanien und in Ostgallien. Nach den Funden zu urteilen erreichten der ursprüngliche Baustil und seine modischen Abwandlungen im 2. und 3. Jh. n. Chr. einen Höhepunkt. Derzeit sind rund 230 Funde von Jupitersäulen aus Germania Inferior bekannt (vgl. novaesium.de, Geschichte und Ausgrabungen des römischen Neuss).
Der obere und namensgebende Abschluss einer Jupitersäule bestand aus einer Darstellung des Jupiters, entweder thronend oder zu Pferde. Die Säule, die diese Statue trug, war in der Regel mit einer als schuppenförmiges Relief gearbeiteten Oberfläche versehen, die wohl stilisierte Lorbeerblätter darstellte. Die Basis der Säulen bildeten runde oder eckige Steinsockel, welche Reliefs von Gottheiten oder Weihinschriften tragen können.
Besonders interessant an dem Typus der Jupitergigantensäule ist seine geografisch auf die Germanischen Provinzen beschränkte Verbreitung. In den Provinzen Germania und der Provinz Raetia verehrte man in römischer Zeit besonders Jupiter, den Göttervater [2]. Er schützt die Gemeinde, sorgt für Regen und Sonnenschein, fördert Landwirtschaft und Weinbau. Durch Blitz und Donner kann er seine Zustimmung oder Mißbilligung zu erkennen geben. Die Vermischungen einheimisch-keltischer bzw. germanischer Vorstellungen mit der italo-römischen Götterwelt werfen in der Forschung einige interessante und bislang unbeantwortete Fragen auf.
Der Sockel einer römischen Jupitergigantensäule mit mindestens 300 Jahre zurück reichender Provenienz ist im Antiquitätenhandel eine außerordentliche Seltenheit. Es handelt sich unseres Wissen um das einzige im Handel erhältliche Fragment.

Zur Fundregion:
Etwas nördlich der Fundstelle der Jupitersäule, auf dem Limberg, dicht am heutigen Rheinufer, wurde im Jahr 1971 ein römisches Lager aus dem frühen 1. Jh. n. Chr. gefunden [2]. Es gab in dieser Region eine römische Straße, die wohl zwischen dem Lager Straßburg und Baden verlief. In der Nähe des Fundorts der Jupitersäule befand sich eine Furt durch den Sasbach. Der Fund des römischen Säulenfragment ist der bislang erste Hinweis auf eine Besiedlung im Kern des kleinen Orts bei Achern bereits in römsicher Zeit ([2], S. 495ff.).
In Baden-Württemberg wurden gelegentlich Fragmente von Jupitergigantensäulen gefunden, die insgesamt in den Zeitraum von 170 n. Chr. bis 242 n. Chr. datieren [3]. Man vermutet, dass Sie in Siedlungen oder auf Gutshöfen aufgestellt wurden, zum Dank oder zur Erbittung mit Jupiter assoziierter Phänomene. Die Jupitersäulen wurden meist während nomadischer Einfälle oder der Christianisierung umgeworfen und zerstört oder als Baumaterial verwendet.

Maße: Höhe ca. 60cm.
Gewicht ca. 300kg.

Zustand: Fragment einer Jupitersäule. An der Unterseite Teil des Wochengöttersteins fehlend, Oberseite eben und offenbar original abschließend. Der Stein wurde an drei der acht Seiten abgetragen, als man ihn ohne Kenntnis seiner historischen Bedeutung als Baumaterial verwendete und der Fluchtlinie der modernen Ummauerung anpasste (etwa in der Mitte des 20. Jh.). Die Fragmente dieses Abtrags sind noch vorhanden und sind Bestandteil dieses Angebots. Die Vollständigkeit wurde nicht geprüft. Die ursprüngliche Oberfläche ist stark erodiert. Die Figurenreliefs sind nur noch in Umrissen zu erkennen. Eine nachträglich aufgebrachte Kalkschicht, die sich möglicherweise 300 Jahre oder länger auf dem Stein befand, wurde in den 1970er Jahren im Rahmen umfangreicher Konservierungsmaßnahmen des Steins entfernt. Eine Restaurierung der relativ kürzlich abgeschlagenen Fragmente wurde bislang nicht vorgenommen.

Provenienz: Bei einem abrissreifen Fachwerkhaus im Ortskern wurde der Besitzer im Jahr 1971 auf einen als Sockel für einen Pfeiler verwendeten Stein aufmerksam, der mit Figuren geschmückt war (Zeichnung der Fundsituation siehe Fotos). Der Stein gelangte 1985 durch Erbschaft an die Frau, zuletzt an die Tochter des Besitzers.
Die Entdeckung wurde dem zuständigen Landesamt für Denkmalpflege 1972 gemeldet. Da es sich nicht um einen Bodenfund handelte, ist der Stein rechtlich als Eigentum des Hauseigentümers zu behandeln. Die Landesarchäologen machten später auch Fachkollegen und das Landesmuseum Karlsruhe auf den Fund aufmerksam. Die hinzugezogenen Archäologen identifizierten den Stein als Wochengötterstein einer Jupitergigantensäule und datierten ihn auf den Anfang des 3. Jh. n. Chr. [7].
Das laut historischem Verein mindestens 300 Jahre alte Fundhaus wurde wohl nach dem Holländischen Krieg (1672 bis 1679) errichtet, in dem der Ort bis auf wenige Häuser komplett niedergebrannt wurde (Zeichnung des Fundhauses siehe Fotos). Von zwei weiteren Häusern auf dem Platz sind zum Beispiel die Baujahre 1712 und 1731 überliefert [8]. Es wird davon ausgegangen, dass der Götterstein einst in der Einfriedung des Kirchhofs verbaut war, welche an die Rückseite des Fundhauses grenzte [7]. Dies deckt sich zeitlich mit der Zerstörung der Kirche im Jahr 1675 und dem erst 22 Jahre später erfolgten Wiederaufbau.
Der erste rechteckige Kirchbau an dieser Stelle wurde im Jahr 720 n. Chr. durch iroschottische Mönche des nahen Klosters Honau begründet. Um 1100 n. Chr. wurde die Kirche umfangreich erneuert [4]. In welcher Bauphase das Fragment der einstigen Jupitersäule für den Kirchenbau verwendet wurde ist unklar. Es ist möglich, dass es seit dem Ende der römischen Zeit kontinuierlich als Baumaterial wiederverwendet wurde. Historiker der Region nehmen an, dass die Jupitergigantensäule auf dem heutigen Kirchplatz des Ortes stand [7]. Nach der Unterwerfung und Christianisierung durch die Franken im Jahr 536 n. Chr. wurde die Säule wohl gestürzt. Ihr erhalten gebliebener Wochengötterstein ist der älteste bekannte Hinweis auf die frühe Besiedlung des Ortes. Die anderen Teile der Säule gelten als verloren.

Publikationen: - Publiziert in Hugo Schneider, "Der Wochengötterstein von Sasbach bei Achern", Die Ortenau, Bd. 60 (1980), Seiten 342-344.
- Fotografische Ausstellung im Sensen- und Heimatmuseum Achern.
- "Jahrhundertealten Wochengötterstein entdeckt", Acher- und Bühler Bote, Jahrgang 1972 (Kopie verfügbar).
Der Wochengötterstein war bislang eine von dreizehn Stationen eines regionalen historischen Wegs und ist in folgenden Begleiterheften mit Bild und Text veröffentlicht:
- C. Muth, "Historischer Weg Sasbach", Verein für Heimatgeschichte Sasbach (2001), Nr. 7.
- C. Muth, "Ortsplan mit Historischem Weg", Bürgermeisteramt und Verkehrsverein Sasbach Ortenaukreis (1999), Nr. 7.

Referenzen: Vgl. Landesmuseum Württemberg, Lupa ID: 7428 und 7801.
Vgl. Fundberichte Schwaben NF 7 (1930-32), Seiten 46ff., Tafel 9.

Der Stein wurde untersucht von:
- Prof. Dr. Fingerlin, in der Zeit 1972 bis 1973, seinerzeit Landesdenkmalamt, Außenstelle Freiburg. Derzeit Institut für Archäologische Wissenschaften an der Universität Freiburg. Prof. Fingerlin hat umfangreich über römische Funde aus der Region publiziert.
- Am 28. Januar 1974 wurde der Stein von Prof. Dr. Rolf Nierhaus, seinerzeit Seminar für Alte Geschichte, Abteilung für Provinzialrömsiche Archäologie, Universität Freiburg, besichtigt.

Literatur: [1] F. Hertlein, "Die Jupitergigantensäulen" (Stuttgart 1910), zitiert Seiten 70ff.
[2] P. Filtzinger, D. Planck, B. Cämmerer, "Die Römer in Baden-Württemberg", Konrad Theiss Verlag (Stuttgart und Aalen 1976).
[3] P. Filtzinger, "Die Jupitergigantensäule von Walheim", FABW 1, 1974, zitiert Seiten 437-482.
[4] C. Muth, "Kirchenführer", Verein für Heimatgeschichte Sasbach (2005).
[5] G. Bauchhenss, P. Noelke, "Die Jupitersäulen in den germanischen Provinzen", Beihefte der Bonner Jahrbücher, Bd. 41, Rheinland-Verlag (Köln 1981).
[6] G. Bauchhenß, "Jupitergigantensäulen", Kleine Schriften zur Kenntnis der römischen Besetzungsgeschichte Südwestdeutschlands Nr. 14 (Stuttgart 1976).
[7] H. Schneider, "Der Wochengötterstein von Sasbach bei Achern", Die Ortenau, Bd. 60 (1980). [8] C. Muth, "Historischer Weg Sasbach", Verein für Heimatgeschichte Sasbach (2001).

Echtheit: Die Echtheit wird, wie bei allen unseren Objekten, ohne zeitliche Einschränkung garantiert.