Römisches Marmorportrait, möglicherweise Traianus Decius

Römisches Marmorportrait, möglicherweise Traianus Decius
Portraitkopf in herausragendem Zustand und qualitativ gleichwertig zu den römischen Kaiserportraits bedeutender Museen. Entweder eine bislang in der Forschung nicht gesichert dem Traianus Decius zugeordnete Variante mit längerem Bart, oder ein sehr stark an die offiziellen Kaiserbildnisse seiner Zeit angelehntes Privatportrait.
33.500 €

Verfügbarkeit: Verfügbar

Objektnummer: AR2400
Details

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Objekt: Männliches Marmorportrait

Material: Heller Marmor

Datierung: Ca. 250 n. Chr.
Kaiserliches Portrait oder Privatportrait mit sehr starker Anlehnung an die Kaiserbildnisse jener Zeit. Dieser Brauch war im Römischen Reich sehr weit verbreitet.

Beschreibung:    Lebensgroßer Kopf eines Mannes, Fragment einer Statue. Kurz geschorenes Haar, sorgfältig gestutzter, kurzer Bart, der sowohl Oberlippe als auch Kinn und Wangen umfasst. Große, nach vorne blickende eng stehende Augen, die Iris ist eingeritzt. Spitze Nase, schmaler Mund. Falten auf der Stirn, zwischen den buschigen Augenbrauen und um Augen und Mund unterstreichen das fortgeschrittene Alter.

Auf schönem, aufwändig gestaltetem Sockel aus dunklem Marmor montiert.

Deutung: Als Decius von seinen Truppen zum Kaiser ausgerufen wurde, war er um die 60 Jahre alt und konnte auf eine erfolgreiche lange Karriere zurückblicken. Nicht zuletzt wegen seiner kurzen Regierungszeit und der massiven Christenverfolgungen, die durch sein Opferdekret ausgelöst wurden, haben sich nur wenige ihm zuordnbaren Portraits erhalten. In der Tat basiert die einzige von der Forschung als weitgehend sicher betrachtete Zuordnung auf Vergleichen mit Münzbildnissen. Der so dem Decius zugeschriebene überlebensgroße Kopf ist in den Kapitolinischen Museen in Rom ausgestellt. Ferner sind eine Statue im Museo del Palazzo dei Conservatori, welche als Darstellung des Decius als Mars identifiziert wird, sowie wahrscheinlich eine Büste in Oslo zu nennen.

Das vorliegende Stück weist eine außergewöhnlich starke Ähnlichkeit zum Kopf des Decius aus den Kapitolinischen Museen auf. Lediglich die Bartgestaltung und Details der Mimik sind abweichend. Münzen des Decius zeigen diesen jedoch gelegentlich auch mit Vollbart, so dass ein solcher ikonographischer Typus gesichert existiert haben muss. In der Tat diente den antiken Stempelschneidern ein plastisches Portrait als Vorbild bei Ihrer Arbeit. Es ist daher durchaus denkbar, dass es sich bei dem angebotenen Portraitkopf um eine (möglicherweise provinzialrömische) Darstellung des Kaisers Traianus Decius handelt. Jedoch kann auch ein Privatportrait, welches stilistisch an die offiziellen Kaiserbildnisse angelehnt worden ist, nicht ausgeschlossen werden. Dieses Phänomen ist in der Forschung bei römischen Portraits der späten Republik und der Kaiserzeit als "Zeitgesicht" bekannt. Dabei wurden bei privaten Portraits Frisuren, manchmal aber auch Züge bis hin zu Details der Mimik von Kaiserinnen und Kaisern nachgeahmt.

Literatur: Das einzige bislang von der Forschung gesichert dem Decius zugeordnete Portrait befindet sich im Palazzo Nuovo der Musei Capitolini und ist in der Museumsliteratur ausgiebig beleuchtet. Für eine Zusammenfassung aus jüngerer Zeit siehe z.B.:
Fred S. Kleiner, A History of Roman Art, 2nd Edition (Boston 2016) S. 299 Abb. 19-9

Eine umfassende Zusammenstellung antiker Portraits inkl. Privatportraits nach kaiserlichen Vorbildern ist online im Virtuellen Antiken Museum der Universität Göttingen einsehbar.

Maße: Kopfhöhe 27 cm, Breite 18 cm, Tiefe 21 cm. Höhe mit Standfuß 38 cm.

Zustand: Am Hals abgetrennt, keine Einsatzstellen sichtbar, offenbar in der Antike glatt gebrochen. Am Nacken ist das obere Ende einer Stele sichtbar. Die Oberseite des Kopfes wurde in der Antike mit einem groben Werkzeug leicht abgeflacht. Kleine Bestoßung am rechten Ohr. Das Gesicht und die Haare sind noch in allen Details erhalten. Auch die Nase ist nicht restauriert, sondern original erhalten. Inklusive professionell eingesetzem Haltestift aus Metall und dazugehörigem Ständer aus dunklem Marmor. Es handelt sich um einen Porträtkopf in herausragendem Zustand und qualitativ gleichwertig zu den spätrömischen Porträts bedeutender Museen.

Provenienz: Erworben 2017 von einem deutschen Auktionshaus. Zuvor in einer deutschen Privatsammlung, in diese aus dem englischen Kunsthandel bei Medieval and Renaissance Art im Jahr 1981 erworben. Exemplar der Auktionen 198 und 206 von Gorny und Mosch.
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