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Galerie Alte Römer

Provinzialrömische Swastika-Fibeln mit pferdekopfförmigen Enden

Antike Fibeln in Form einer Swastika mit Pferdekopf-Enden waren aus Bronze, typisch 30mm bis 40mm im Durchmesser und gehen auf das 3. bis 6. Jh. n.Chr.  zurück, also die spätrömische Zeit. Eine aktuelle Studie von Gudea et al. [4] gibt eine genauere Datierung an: 275 n.Chr. bis 350 n.Chr.

Der Fibeltyp der Swastika-Fibeln mit Pferdekopfenden vereint zwei herausragende Charakteriska der Kunst einiger südosteuropäischer und mitteleuropäischer antiker Völker. Einerseits tierkopfförmige Verzierungen (Protome) in Gestalt eines Pferdekopfes, andererseits die Swastika, also die Hakenkreuzform. Derartige Fibeln stammen aus der Balkangegend; Funde sind über weite Teile des Donautieflands verteilt (Germania, Noricum, Pannonia, Moesia, Dacia, nord-östliches Italien) [5]. Die meisten dokumentierten Funde stammen aus Nekropolen oder Einzelgräbern. Geschätzte 50 Funde sind derzeit (Stand 2010) wissenschaftlich verzeichnet. Die Forschungen und Publikationen zu diesem Artefakt sind noch in den Anfängen.
Die Fertigung der swastikaförmigen Fibeln mit Pferdekopf-Enden konzentrierte sich auf das südöstliche Pannonien (308 n.Chr. zur Provinz Pannonia Secunda erklärt) [2],[3]. Dies ist durch die Häufung der Funde um Novi Banovci (in römischer Zeit Burgenae genannt) belegt. Der Ort liegt in der Mitte des Fundverteilungsgebiets. Bis in die Spätantike waren hier römische Kavallerie-Korps stationiert (so die dalmatischen Reiter, Equites Dalmatae, 2. Hälfte des 3. Jh. n.Chr.). Zahlreiche leichte Variationen des Motivs legen jedoch weitere Fertigungszentren nahe. So gibt es bei den gefundenen Fibeln Unterschiede bei den Ohren, der Augengröße, der Augenform (1 oder 2 konzentrische Kreise), Kinnlänge, Mundhaltung, sowie dem zentralen Auge.

Die Fundverteilung dieser Fibeln und deren Datierung fällt mit der Anwesenheit römischer Foederati (Hunnen, Goten und Alanen) im Donautiefland zusammen. Durch die hohe strategische Bedeutung der Region für die Römer wurden die lokalen Völker in großer Zahl für Infanterie und Kavallerie rekrutiert. Viele der Reiter waren offenbar mit derartigen Fibeln ausgestattet. Es gibt die Vermutung, dass dieser Fibeltyp auf skythische Vorläuferformen zurückgeht, was jedoch aufgrund des zeitlichen Abstands streitbar ist. Die Durchmischung verschiedenen Kulturen durch die Eingliederung in die römische Armee bietet eine bessere Erklärung, nämlich die Zusammenführung verschiedenen Stilelemente regionaler Kunst.
Belege für Protome in Gestalt eines Pferdekopfes finden sich bei den Völkern in Südosteuropa und Mitteleuropa in römischer Zeit bei Gegenständen wie Gürtelschnallen, Fibeln und Kämmen. Diese Art der Verzierung wurde charakteristisch für Kavallerieeinheiten, die die Römer aus Pannonien rekrutierten. [1] Auf diesem Weg könnte das Pferdemotiv in die deutlich älteren traditionellen swastikaförmigen Soldatensymbole eingewandert sein [4].
Der neu entstandene Fibeltyp wurde vermutlich als Symbol für Stärke getragen. In der von den Römern aus den Pannonischen Foederati rekrutierten Kavallerie könnte er gleichzeitig als militärisches Rangabzeichen gedient haben [1]. Wenngleich für die Swastika keine religiöse Funktion vermutet wird, da dessen Verbreitung unter den Südost- und Mitteleuropäischen Stämmen durch die Einflussnahme der römischen Kultur keinen Abbruch erfahren hat, so wird für die Tierkopfgestaltung von S. Butcher auch eine religiöse Bedeutung vermutet (Butcher 1977).
Viele Exemplare dieses Typs zeigen die gleiche Art von Auge wie auf dem Pferdekopf zentral in der Mitte der Fibel. Die Symbolik der Fibel erinnert an Stilisierungen der Sonne.

Auch in Deutschland wurde ein Exemplar aus dieser Gattung gefunden (in Saalburg, vgl. Bohme 1972), das jedoch im Laufe der Zeit verloren gegangen ist. Nur eine Zeichnung blieb erhalten.

 

Literatur:

[1] Sofija Petkovic, "Meaning and Provenance of Horses' Protomes Decoration on the Roman Antler Combs", Archaeologisches Institut Belgrad, Starinar, 49, 215-228.

[2] Z. Vinski, Krstoliki nakit epohe seobe naroda u Jugoslaviji, VAMZ, 3, 1968, 132-133, T. VIII, 41.

[3] Maurizio Buora, Nota sulla diffusione delle fibule a svastica con terminazioni a testa di cavallo, Quaderni friulani di Archeologia, Anno XV, Nr.1, 2005.

[4] Nicolae Gudea, Despre fibulele cu corpul in forma de svastica i capetele bratelor in forma de cap de cal [About Roman brooches with a swastika body and branches ended in a horse head]. M. Cringus et al. (dir.), Studia Historica et Archaeologica In Honorem Magistrae Doina Benea, Timisoara 2004, 189-193.

[5] Sorin Cocis, Fibulele din Dacia Romana [The brooches from Roman Dacia], Cluj-Napoca, Editura Mega, 2004.

[6] Maurizio Buora, Note on The Diffusion of Swastika Fibulae with Horse-head Decorations in Late Roman Period, Arheoloski Vestnik Vol. 43, 1992.

 

Referenzen für römische Swastika-Fibeln mit Pferdekopfenden in der Literatur:

Oscar Almgren, Studien über Nordeuropäische Fibelformen der ersten nachchristlichen Jahrhunderte, Dissertation, Stockholm 1897.
Maurizio Buora, Note on The Diffusion of Swastika Fibulae with Horse-head Decorations in Late Roman Period, Arheoloski Vestnik Vol. 43, 1992.
Maurizio Buora, Nota sulla diffusione delle fibule a svastica con terminazioni a testa di cavallo, Quaderni friulani di Archeologia, Anno XV, Nr.1, 2005.


Referenzen für römische Swastika-Fibeln mit Pferdekopfenden aus unserem Archiv:

Provinzialrömische Fibel, Swastika
Provinzialrömische Fibel in Form eines Hakenkreuzes mit tierförmigen Enden. Vier stilisierte Pferdeköpfe, nach rechts blickend. Pferdeaugen aus Punkt mit zwei konzentrischen Ringen. Weiteres Auge zentral auf der Fibel. Nadel und Scharnier fehlen, Halter intakt.

Römische Gemmen

Die Römer nannten jeden Edelstein "Gemma". Heute ist mit Gemme ein geschnittener und bildverzierter Schmuckstein gemeint. Ist das Bild in Relieftechnik aus dem Stein geschnitten, spricht man von einer Kamee (oder auch Kameo). Ist es als Vertiefung eingraviert, spricht man von einem Intaglio. Intaglien können theoretisch als Siegelstein verwendet werden, praktisch stand jedoch ab der römischen Zeit das Dekorative im Vordergrund.

 

Gemmen wurden bereits von den frühesten Hochkulturen angefertigt und waren in Mesopotamien, Ägypten und Kreta als Siegel und Schmuck in Gebrauch. Größte Beliebtheit erfuhren die fein bearbeiteten Schmucksteine zur Zeit des Hellenismus und behielten ihre Popularität durch die gesamte römische Geschichte. Zur massenhaften Produktion von Gemmen in Italien führten zwei Umstände. Zum einen die preiswerte Verfügbarkeit von Glas und Halbedelsteinen. Zum anderen konnten etablierte Motive durch technisch perfektionierte Kopiertechniken leicht eingraviert werden. In Italien, wo bereits die Etrusker künstlerisch anspruchsvolle Kameen und Intaglien gestaltet hatten, entstand ein Handel mit Schmucksteinen von noch nicht dagewesener Größe. Am beliebtesten waren Intaglien, die als Schmuckstein in Ringen getragen wurden. 

 

Heutige Liebhaber und Sammler antiker Steinschneidekunst spüren noch dieselbe Faszination für die vielfältigen Miniaturen. Dank kaum vergänglichen Materialien sind sie ein einzigartiges Fenster in die Vergangenheit. Sie spiegeln die römische Lebensweise anhand von Porträts, Szenen aus Alltag und Mythologie, Tierwelt und Symbolen wieder. Aufgrund häufiger Funde sind römische Intaglien ein hervorragendes Sammelgebiet, das sowohl für junge als auch für erfahrene Sammler viel bieten kann.

 

Literaturhinweise:

Der Klassiker und das Hauptwerk über antike Siegelschneidekunst ist A. Furtwängler, Die antiken Gemmen, Band 1 bis 3 (Leipzig und Berlin, 1900).

Eine kompakte Einleitung und einen Querschnitt der Motive bietet G. Lippold, Gemmen und Kameen des Altertums und der Neuzeit (Stuttgart, 1921).

Unsere Empfehlung für angehende Sammler ist H. Gebhart, Gemmen und Kameen (Berlin, 1925). Das Buch ist antiquarisch gut erhältlich. Es bietet eine sehr gute Einleitung zu den verwendeten Materialien und geht dann die gesamte Geschichte der Glyptik anhand zahlreicher, gut erläuterter Beispiele durch.

 

Bilder antiker Kameen und Intaglien:
Römischer Goldanhänger mit Kameo
Römische Kamee, gefasst in goldenem Schmuckanhänger, 2. bis 3. Jh. n. Chr.

Römischer Fingerring aus Gold mit Intaglio
Römisches Intaglio, gefasst in goldenem Fingerring, um die Zeitenwende

 

Neolitische Dolche

Eine erste Blütezeit erfuhren Dolche in Nordeuropa im Mesolithikum. Diese waren noch eher grob bearbeitet und es handelte sich vermutlich vorwiegend um Nutzgegenstände. Die per Definition zweischneidigen Dolche sind im Gegensatz zu Messern schlechter zum Schneiden geeignet und wurden wohl vornehmlich als Stichwerkzeug oder Waffe eingesetzt.

Eine hohe technische Perfektion und weite Verbreitung erfuhren die Dolche im Spätneolithikum und Endneolithikum (je nach Region ca. 3500 v. Chr. bis 1500 v. Chr.). Bezeichnend hierfür ist die Dolchzeit. In ihren Kulturen sind Dolche offenbar ein wichtiges Statussymbol, dass die in früheren Kulturen bedeutenden Äxte teilweise ablöst.

Wie fast alle Steinwerkzeuge wurden Dolche mit dem Beginn der Bronzezeit erst vereinzelt durch Kupferdolche, später umfassend durch Bronzedolche ersetzt.

Prominenter jungsteinzeitlicher Träger eines Dolches war die Gletschermumie "Ötzi" vom Hauslabjoch. Die Dolchklinge dieses Mannes von sozial hohem Rang war aus Silex der Lessinischen Berge gearbeitet. Sie war in einen Griff aus Eschenholz gefasst und durch Tiersehnen fixiert.

Perlen, ein Abriss Ihrer Geschichte

Perlen scheinen nach heutigem Wissen bereits 28.000 Jahre vor unserer Zeit als Tauschmittel im Einsatz gewesen zu sein. Darüber hinaus wurden Sie natürlich auch seit prähistorischen Zeiten als Schmuck und Statussymbol getragen. Eine neue Blüte erreichte die Perle mit deren massenhafter Produktion nach dem Aufkommen von glasartigen Perlen in den Stadtstaaten Mesopotamiens. Im Altertum war sie im Einsatz als Knopf, für Gürtel, Sandalen, Stickerei und als Ornament.

Perlen gab es zunächst aus Muscheln, Knochen, Elfenbein und weichen Steinen, später aus härterem Gestein, Glas und schließlich aus Metallen wie Bronze, Silber und Gold, sowie aus Edelsteinen. Diese beständigen Materialien sind bis heute als Zeugen längst vergangener Kulturen erhalten geblieben. Alte Perlen sind daher nicht nur eine reine Sammelleidenschaft. Es gibt viele Frage zu stellen. Wo kommen die Perlen her; wozu wurden Sie benutzt; wem haben Sie gehört und auf welchen Handelsrouten wurden Sie transportiert? Diese Fragen spannen den faszinierenden Rahmen für die Beschäftigung mit prähistorischen, antiken oder mittelalterlichen Perlen.
Auch die erneute Verwendung der kleinen Schätze als Modeschmuck erfreut sich in den letzten Jahren zunehmender Beliebtheit. Das Alter der Stücke setzt der Fantasie und den Kombinationsmöglichkeiten keine Grenzen.

Jede Perle ist ein Unikat, da sie in Handarbeit hergestellt wurde und individuell patiniert ist. Für den interessierten Perlenliebhaber empfehlen wir folgende Bücher:

Alle Perlen dieser Welt
Eine Kulturgeschichte des Perlenschmucks
Lois Sherr Dubin, Dumont Sonderausgabe 1997
ISBN 3-7701-4039-7

Chevron and Nueva Cadiz Beads
Volume 7, Beads from the West African Trade
John and Ruth Picard
ISBN 0-9622884-2-X

Die neolithische Flintmine bei Spiennes in Belgien

Die neolithische Flintmine bei Spiennes in Belgien gehört seit dem Jahr 2000 zum Unesco Weltkulturerbe (Id. N°: 1006). Ab der zweiten Hälfte des 5. Jt. v. Chr. wurde der Stein der Mine in sozial zunehmend komplexen, neolithischen Gruppen aus dem Umland bearbeitet.

Hier siedelnde, jungsteinzeitliche Gruppen werden der Michelsberger Kultur zugeordnet. Eine jungsteinzeitliche Kultur, die ab Mitte des 5. Jt. v. Chr. bis zur Mitte 4. Jt. v. Chr. in Mitteleuropa florierte. Ihr Kulturraum erstreckte sich über Deutschland, Belgien und Nordfrankreich. In dem Raum Spienne wurde die Kultur von der Seine-Oise-Marne-Kultur abgelöst, welche die fragliche Mine nicht mehr erschloss [2].

 

Literatur:

[1] Badisches Landesmuseum Karlsruhe, "Jungsteinzeit im Umbruch. Die Michelsberger Kultur und Mitteleuropa vor 6000 Jahren.", Katalog zur Ausstellung im Badischen Landesmuseum Karlsruhe 20.11.2010 bis 15.5.2011. Primus Verlag, Darmstadt (2010).

[2] Donar Reiskoffer, Neolithic Flint Mines at Spiennes (Mons), UNESCO Documents Archive(2007).

Die Lausitzer-Kultur

Die für die Kultur namensgebende Lausitz (an der heutigen deutsch-polnischen Grenze) grenzte damals an das Gebiet der im Westen gelegenen Kulturen, die zusammenfassend als Urnenfelderkultur bezeichnet werden. In der Lausitz wurden die ersten charakteristischen archäologischen Funde gemacht, woraufhin 1880 die Namensschöpfung durch Rudolf Virchow vollzogen wurde. Doch das Gebiet des Kulturkreises erstreckte sich von dort aus weit in Richtung Osten, bis jenseits der Weichsel. Dank günstiger klimatischer Verhältnisse erlebte die Region gegen Ende der Bronzezeit eine kulturelle Blüte. Mit dem Beginn der Eisenzeit kann man zunehmend Differenzierungen innerhalb der zuvor einheitlich scheinenden Kulturgruppe ausmachen.

Dank vieler groß angelegter Gräberfelder, die bemerkenswerterweise über Jahrhunderte hinweg genutzt wurden, gibt es seit dem 19. Jahrhundert reiche archäologische Funde. Einige solcher Felder wiesen über 1000 Bestattungen auf. In Konsequenz wurde bei der chronologischen und räumlichen Gliederung der Kultur in der Geschichtsforschung hauptsächlich auf Grabfunde zurückgegriffen. Über das Siedlungswesen ist dagegen weniger bekannt, weil die Fundlage schlechter ist.

Museen und Sammler können aufgrund der zahlreichen Keramikfunde zu günstigen Preisen das Erbe dieser wichtigen europäischen Kultur des Schlüsselzeitalters zwischen Bronze- und Eisenzeit betrachten.

Keramiken sind üblicher Bestandteil von Gräbern. Für die Nachwelt wurde ein umfangreicher Geschirrsatz aus Keramikgefäßen mitgegeben. Teils waren die Gefäße mit Speisen gefüllt, dessen Reste bei Ausgrabungen entdeckt wurden. Bronzebeigaben waren selten. Auch bei den später aufkommenden Mehrfachbestattungen, bei denen Gräber gleich einer Gruft vielfach verwendet wurden, hatten die Keramikbeigaben weiterhin bestand, vermehrten sich sogar noch in ihrer Anzahl. Diese Bestattungssitte wurde bis in die Eisenzeit unter leichten Veränderungen beibehalten. Die Anzahl der Keramikbeigaben nimmt weiter zu, jedoch werden die Gefäßgrößen statistisch kleiner. Häufig haben die Gefäße dieser Zeit einen Überzug aus Graphit, der Ihnen einen metallähnlichen Glanz verleiht. Eine Neuerung sind Gefäße mit anthropomorphen Strichverzierungen sowie Keramikmodelle von realen Öfen.

 

Literatur:

J. Kneisel, Anthropomorphe Gefäße in Nord- und Mitteleuropa während der Bronze- und Eisenzeit. Studien zu den Gesichtsurnen - Kontaktzonen, Chronologie und sozialer Kontext. Stud. z. Archäol. in Ostmitteleuropa, 7 (2012). T. Malinowski, Gesichtsurnen der frühen Eisenzeit in Polen und die Frage ihres Zusammenhanges mit den Gesichtsurnen aus dem Gebiete Mitteldeutschlands. In Nordharzer Jahrbuch 1965/66, Bd. II (Halberstadt 1967).

J. Schneider, Studien zur Lausitzer Kultur (1958)

S. Gollub, Endbronzezeitliche Gräber in Mittel- und Oberschlesien (1960)

A. Gardawski, Lauitzer Kultur oder "Lausitzer Stil"? Arbeits- und Forschungsber. Sächsische Bodendenkmalpflege 20/21 (1976) S. 131-149

M. Gedl, Stufengliederung und Chronologie des Gräberfeldes der Lausitzer Kultur in Kietrz. Prace Archeologiczne 27 (1985)

Die Oasenstadt Palmyra

In der Antike war die Oasenstadt Palmyra ein wichtiger Handelsposten auf einer Karawanenroute, welche sich von Damaskus bis zum Euphrat erstreckte. Der Name, den die Stadt erst in römischer Zeit bekam, leitet sich vom lateinischen "palma" = Dattelpalme ab. Heute liegt neben den Ruinen des antiken Palmyra die Stadt Tadmor.

 

Die frühesten Spuren der Anwesenheit von Menschen lassen sich bis ins Neolithikum verfolgen. Die Oase und die sie speisende östliche Quelle dienten dabei vermutlich als Kult- sowie als Badestelle. Aus der Bronzezeit (kontinuierlich von der Frühbronzezeit um ca. 2200 v. Chr. bis ins Ende der Spätbronzezeit im 12. vorchristlichen Jahrhundert reichend) stammen dann die ersten durch Grabungen nachgewiesenen Besiedelungsspuren im Osten des späteren Stadtgebiets. Diesen folgte eine etwa 1 Jahrtausend währende Siedlungslücke, nach der der Siedlungshügel (Tell) ca. 300 v. Chr. offenbar nivelliert wurde. Im 1. Jh. v. Chr. entstand an dieser Stelle der hellenistische Vorgänger des Hauptheiligtums von Palmyra, des Baal (oder Bêl)-Tempels. Der heute erhaltene Tempel entstand dann zwischen ca. 19 und 32 n. Chr. In byzantinischer Zeit wurde die Cella des Tempels zu einer christlichen Kirche umfunktioniert und schließlich im 12. Jahrhundert zu einer Moschee umgestaltet. Im Jahre 1875 zählte die Bevölkerung des befestigten Tempelbereichs noch ca. 800 Mann sowie eine 40 Mann starke Garnison. Unter der französischen Verwaltung wurde 1930-32 die Bevölkerung in ein neu angelegtes Dorf umgesiedelt und der Tempelbezirk geräumt.

 

Der zweite Siedlungsschwerpunkt lag im äußersten Westen bei einer zweiten Quelle. Eine urbane Besiedelung lässt sich bis ins 1. Jh. v. Chr. nachweisen, im 3. Jh. n. Chr. befand sich hier mutmaßlich der Palast der Fürsten von Palmyra (Odaenathus, Vaballaathus, Zenobia). Nach der Zerstörung Palmyras 272 n. Chr. durch die Truppen Aurelians baute Diokletian die Stadt 293 - 303 n. Chr. in einem kleineren Rahmen wieder auf und errichtete an dieser Stelle sein Truppenlager. Zur Blütezeit ihrer Entwicklung um die Mitte des 3. Jh. n. Chr. zählte Palmyra vermutlich 150.000 - 200.000 Einwohner. Schon ein halbes Jahrhundert später waren es unter Diokletian vermutlich nur 30.000 Einwohner, unter Justinian im 6. Jh. sogar gerade mal 15.000.

 

Den dritten Siedlungsschwerpunkt bildete das zwischen den beiden Polen gelegene Gebiet der Agora. Gegen Ende des 1. Jh. v. Chr. wurde das Stadtgebiet von einer aus Lehmziegel errichteten Stadtmauer umzogen. An der Ausfallstraße nach Damaskus befand sich vor dem Damaskustor die Südwestnekropole. Weitere große Nekropolen lagen im Südosten, Norden und Westen (das sogenannte "Tal der Gräber"). Im einfachsten Fall waren die individuellen Gräber durch eine Stele gekennzeichnet, welche den Namen des Verstorbenen trug. Aufwändiger gestaltete Monumente wurden zudem durch die Darstellung eines zwischen Palmenzweigen angebrachten Vorhangs und in einigen Fällen auch durch Portraits der Verstorbenen verziert. Hinzu kommen die monumentalen Grabbauten, welche einer oder mehreren Familien als Begräbnisstätte dienten. Beliebt war dabei die Darstellung von Bankettszenen, mehrere exzellent erhaltene Beispiele sind überliefert. Einzigartig im Nahen Osten ist die seit dem 1. Jh. n. Chr. greifbare Kombination von Grabturm und Hypogäum. Diese Grabtürme besaßen mehrere Stockwerke, die größten Anlagen bargen bis zu 3.000 Bestattungen, welche auf jeder Etage über- und nebeneinander lokalisiert gewesen sind. Die Grabstätten waren mit Steinplatten verschlossen, von denen einige ein Bildnis des Verstorbenen zeigten, während andere bildlos waren. Während die Anlagen von außen schmucklos waren, war ihr Inneres aufwändig dekoriert. Schließlich zu nennen sind die im 2. Jh. einsetzenden Hausgräber.

 

Nur wenig ist zu dem palmyrenischen Totenkult und dem Totenglauben überliefert. Aus der Ikonographie der Gräber wird vermutet, dass die Palmyrener den griechischen Seelenglauben teilten und damit an eine Trennung von Leib und Seele nach dem Tod glaubten, diese Annahmen lassen sich jedoch bislang nicht durch Inschriften belegen.

 

Charakteristisch und sehr bekannt sind die palmyrenischen Grabreliefs, welche fast ohne Ausnahme aus einem gelben oder hellgrauen Kalkstein gefertigt wurden. Bislang sind ca. 1000 Grabskulpturen bekannt, welche dazu dienten, die lokulusartigen Gräber zu verschließen. Nicht alle Darstellungen trugen dabei eine Inschrift. Kunsthistorisch sehr wichtig ist jedoch die Tatsache, dass sich die meisten beschrifteten Reliefs absolut datieren lassen, wodurch die Identifizierung einer Stilentwicklung und die Ableitung einer relativen stilistischen Chronologie möglich wird. So identifizierte H. Ingholt als erster drei chronologisch aufeinanderfolgende Stilgruppen (H. Ingholt, Studier over palmyrensk Skulptur (Kopenhagen 1928)). Generell zeigt die palmyrenische Kunst einen starken orientalischen, also vor allem parthischen Einfluss. Kennzeichnende Merkmale sind eine relativ starre Frontalität und eine lineare Bearbeitung, vor allem im Faltenwurf der Kleidung sowie in der Haartracht. Ein weiteres Merkmal sind die gebohrten Pupillen und die Wiedergabe der Augenbrauen als schmale Rillen oder in Form einer gedrehten Kordel.


Beispiele palmyrenischer Kunstwerke:

Portraitkopf einer Frau - Palmyra, 2. Jh. n. Chr.
Porträtkopf einer palmyrenischen Frau. 2. Jh. n. Chr.


Publiziertes palmyrenisches Grabrelief des Hermes
Palmyrenisches Grabrelief eines bärtigen Mannes. Die Inschrift benennt ihn als Hermes. 3. Jh. n. Chr.


Literatur:

Für eine ausführliche Geschichte von Palmyra, welche hier in den wichtigsten Zügen zusammengefasst ist, siehe: A. Böhme - W. Schottroff, Palmyrenische Grabreliefs (Frankfurt a. M. 1979)

A. Henning, Die Turmgräber von Palmyra: eine lokale Bauform als Ausdruck kultureller Identität (Köln 2001)

G. Degeorge, Palmyra (München 2002)

A.M. Nielsen, Katalog Palmyra samlingen ny Carlsberg Glyptotek (Kopenhagen 1993), exzellent strukturiertes Werk mit zahlreichen Belegstücken aus den drei Stilgruppen, chronologisch geordnet.

K. Tanabe, Sculptures of Palmyra (Tokyo 1986)

H. Ingholt, Studier over palmyrensk Skulptur (Kopenhagen 1928)

Antike Mosaike

In der griechischen und hellenistischen Epoche waren Mosaike meist elaborierte Kunstwerke, welche Böden und Wände zierten [hier und im Folgenden Quelle 1, siehe unten]. In der späten Republik und der frühen römischer Kaiserzeit verkam das Mosaik zunächst weitgehend von einer exquisiten Kunst zu einem gewöhnlichen und standardisierten Gestaltungsmedium. So waren im 1. Jh. n. Chr. vor allem bichrome Mosaike aus schwarzen und weißen Steintesserae beliebt, welche meist geometrische Motive zeigten [2]. Bodenmosaike gehörten dabei zur Standardausstattung von Villen, Bädern oder auch Grabstätten, als Beispiel extensiver Verbreitung sei Ostia genannt. Ab dem 2. Jh. beginnen sich wieder - zum Teil sehr detaillierte und raffinierte - figürliche Darstellungen zu etablieren, welche durch ihre Farbenvielfalt bestechen [3,4,5]. Berühmt ist dabei Antiochia [6], aber auch die nordafrikanischen Provinzen und Sizilien (Villa von Casale). Im 3. Jh. ändert sich die Bedeutung des Mosaiks radikal, kultische Motive treten vermehrt auf. Die aktuelle Forschung nimmt an, dass diese Änderung das Abwenden von der Kultplastik zu zweidimensionalen Darstellungen hin bezeugt. Parallel kommen natürlich auch weiter die beliebten dekorativen Motive mit Pflanzen, Tieren und Szenen des täglichen Lebens vor [7].

 

Im 4. Jh. beginnt ein - zunächst schleichender - Übergang zu den christlichen Bildmotiven. Erste erhaltene Monumente sind dabei das Mausoleum der Constantina in Rom, Centcelles in Spanien sowie die Kathedrale von Aquileia. In letzterer finden sich nicht nur ein musivischer Jonas-Zyklus, sondern auch Tierdarstellungen mit christlicher Symbolik (Lamm, trinkender Hirsch) sowie Eucharistische Darstellungen (Brot und Wein). Nach und nach vollzieht sich im vierten und fünften Jahrhundert eine Umdeutung der "paganen" römischen Ikonographie und eine Entwicklung und Etablierung der christlichen Ikonographie. Als imposante Beispiele frühchristlicher Mosaiken seien Santa Maria Maggiore in Rom sowie die Ravennatischen Mosaike [8] ausgewählt und hervorgehoben.


Beispiel eines spätantiken Mosaiks:

  Sehr großes polychromes römisches Mosaik - stehender Pfau

Literatur:

[1] Encyclopepaedia Britannica, sub voce mosaic

[2] M. E. Blake, The pavements of the Roman buildings of the Republic and early Empire, Memoirs of the American Academy in Rome 8, 1930, 7–159

[3] M. E. Blake, Roman mosaics of the second century in Italy, Memoirs of the American Academy in Rome 13, 1936, 67–214

[4] M. Donderer, Die Chronologie der römischen Mosaiken in Venetien und Istrien bis zur Zeit der Antonine (Berlin 1986)

[5] H. Joyce, The Decoration of Walls, Ceilings and Floors in Italy in the Second and Third Centuries AD (Rom 1981)

[6] F. Cimok (Hrsg.), Antioch Mosaics: A Corpus (Istanbul 2000)

[7] M. E. Blake, Mosaics of the Late Empire in Rome and vicinity, Memoirs of the American Academy in Rome 17, 1940, 81-130

[8] F. W. Deichmann, Ravenna (Stuttgart 1969-1989, mehrere Bände)

Eine kurze Geschichte der Öllampe

Als erste Lampen wurden mit Tierfetten gefüllte, flache Steinschalen verwendet, welche am Rand eine kleine Rinne für den Docht hatten. Dochte bestanden zunächst nur aus Pflanzenfasern, später auch aus Stoffresten. Derartige Schalenlampen wurden in manchen Regionen schon im 8 Jahrtausend v.u.Z. benutzt. Über viele Jahrhunderte entwickelte sich dieser Lampentyp kaum weiter, obgleich verschiedene Brennstoffe und Gehäuseformen aus Ton und Stein auftauchten. Die erste wesentliche Verbesserung war die Verwendung von Pflanzenölen. Dadurch konnten die Schalen zugedeckt und so vor Verschmutzung geschützt werden. Die verwendeten Brennstoffe (Fett, Talg, Öl) sind dickflüssig, so dass sie nur einige Millimeter bis wenige Zentimeter im Docht nach oben steigen können. Geht der Brennstoff zur Neige, verglüht ein Teil des Dochts. Die nächste Revolution war die Verwendung von Metalllampen, die letztendlich die Tonexemplare aus dem Markt drängten. In Europa nahm diese Entwicklung in byzantinischer bis islamischer Zeit ihren Lauf. Öllampen aus Metall waren bis in die Moderne hinein der vorherrschende Typ.

Beispiel für den Einsatz antiker Öllampen:
Zuerst dargestellt ist eine syrisch-palästinische Öllampe, wie sie im heiligen Land in den ersten Jahrhunderten n. Chr. täglich verwendet wurde, um etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Die Lampen wurden mit Öl gefüllt und mit einem Docht versehen und können noch heute auf die selbe Art genutzt werden.
Darunter sehen Sie eine deutlich früher benutzte, kanaanitische Lampe, brennend und arrangiert mit Münzen aus dem heiligen Land. Bei Interesse an einem ähnlichen Arangement unterstützen wir Sie gerne.

Brennende antike Öllampe aus dem heiligen Land

Brennende bronzezeitliche Öllampe aus dem heiligen Land, kanaanitisch