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Ägyptische Mumienkartonage

5.900 €
Verfügbar
Objektnummer
AR3085B
Objekt: Stück einer ägyptischen Mumienkartonage

Material: Papyri und deren Reste, zu Kartonage verklebt, mit Stuck überzogen und bunt bemalt.

Datierung: Aus der ptolemäischen Epoche Ägyptens,
332 v. Chr. bis 30 v. Chr.

Beschreibung:    Zentrales Stück einer ägyptischen Mumienkartonage mit reicher Bemalung in den Farben rot, blau, grün, gelb und schwarz. Weiße Bereiche werden durch die Untergrundfarbe dargestellt. Die Kartonage gliedert sich in drei Teile.

Das obere Bildfeld hat einen roten Hintergrund. Im Zentrum hat sich der Djed-Pfeiler aufgerichtet, bekrönt mit der Atef-Krone des Osiris. Links davon stehen (jeweils von außen nach innen) die Horuskinder Duamutef und Amset, rechts Qebeh-senu-ef und Hapi. Vor den Beinen der vier Götter sieht man jeweils einen Teil des nach vorne vorstehenden Rückenumhangs, und jeder von ihnen hält einen Stoffstreifen in seinen Händen. Der Djed-Pfeiler und die vier Horuskinder als göttliche Verkörperungen der wichtigsten inneren Organe symbolisieren die Auferstehung des Gottes Osiris und zugleich die des Verstorbenen, der zu einem Osiris geworden ist.

Das mittlere Bildfeld, in gleicher Weise wie das obere eingegrenzt und vor rotem Hintergrund, zeigt zentral die auf der Löwenbahre liegende Mumie des Verstorbenen (zum größten Teil zerstört). Unter der Bahre stehen die vier Kanopengefäße, ein jedes von ihnen mit einem Deckel, den ein Kopf eines der vier Horuskinder bekrönt, und zwar in der Abfolge (von rechts nach links) und Amset, Hapi, Duamutef und Qebeh-senu-ef. Links vor der Bahre kniet Isis mit im Trauergestus erhobener Hand, rechts Nephthys in derselben Haltung. Die Klagen der Isis und Nephthys bewirken nach altägyptischem Glauben die Auferstehung des Osiris und des Verstorbenen.
Zwischen dem mittleren und dem oberen Bildfeld besteht folgende dynamische Verbindung: Das mittlere Bildfeld stellt den Verstorbenen noch im Zustand des Todes dar. Allerdings ist er bereits mit allem versehen, was zur Auferstehung notwendig ist: Er ist mumifiziert, seine inneren Organe sind in den Kanopengefäßen wohl aufgehoben und die beiden Klagefrauen Isis und Nephthys beklagen und erwecken ihn. Das obere Bildfeld zeigt dann folgerichtig den Verstorbenen als Auferstandenen.

Das untere Bildfeld ist das größte der drei. Den meisten Raum nehmen 20 abwärts gebogene Bänder ein, die durch eine zentrale Textkolumne in zwei symmetrische Hälften geteilt werden. Die Bänder sind zumeist blau oder rot und mit sich wiederholenden floralen oder geometrischen Elementen besetzt. Die zentrale Textkolumne lautet: Ein Opfer, das der König gibt, gemacht für Osiris, den großen Gott, den Herrn des Westens (des Totenreiches), den Herrn von Abydos, (und zwar) das Geben eines Totenopfers, bestehend aus Bier, Brot, Rind und Geflügel, sowie allen guten Dingen und allem Reinen, was zusammengestellt wird für Osiris, den Lebenden in Unendlichkeit.

Die Ornamentik weist auf eine Entstehung in Achmim in Oberägypten.

Maße: Kartonage 45cm x 19cm. Rahmen 64,5cm x 38cm.

Zustand: Fragment mit diversen Abplatzungen, Rissen und Fehlstellen an den Rändern, insbesondere in der Mitte eine größere Fehlstelle, an der nur noch der Untergrund sichtbar ist. Insgesamt gut erhalten für ein solch fragiles Artefakt. Die originale Stuckierung und Bemalung sind in großen Teilen auf dem Untergrund erhalten. Die Kartonage ist auf einen modernen Hintergrund aus Leinen aufgebracht und in einen alten Bilderrahmen gefasst. Die Konstruktion ist nach etlichen Jahrzehnten nicht mehr zuverlässig. Auf der Rückseite des Rahmens Aufkleber einer Pariser Werkstatt für Bilderrahmen.

Provenienz: Im Jahr 2020 durch uns erworben von S. Gönitzer, Österreich. Exportiert 2020 mit Genehmigung des österreichischen Bundesdenkmalamts. Zuvor im Besitz von Dr. Edmund Kupka, Österreich, der diese und eine weitere Mumienkartonage (unsere Objektnr. AR3085A) in den 1960er Jahren in Ägypten erwarb, während seiner Tätigkeit für eine internationale Organisation in Kairo. Die Kartonagen wurden noch in den 1960er Jahren durch Dr. Kupka nach Österreich exportiert.
Als ursprüngliche Herkunft kommt aufgrund der Ornamentik Achmim in Oberägypten in Frage.

Referenzen: Die zeitliche Einordnung und Deutung der Mumienkartonage wurde 2020 durch Herrn Prof. Kurth vorgenommen, emeritierter Professor für Ägyptologie an der Universität Hamburg. Eine Publikation der Kartonage ist für sein Buch „Hausgrabungen, Band 3 (Aegyptiaca in deutschem Privatbesitz)" vorgesehen.

Literatur: Wer umfassender und tiefer in das Thema der ägyptischen Totenliteratur und des ägyptischen Totenkultes einsteigen will, kann sich bei Jan Assmann im Lexikon der Ägyptologie, Band VI, S. 659-676 informieren.

Echtheit: Die Echtheit wird, wie bei allen unseren Objekten, ohne zeitliche Einschränkung garantiert.