Ensemble aus hellenistischem Goldschmuck

Ensemble aus hellenistischem Goldschmuck
Zusammengehörige Gruppe bestehend aus Kette mit amphorenförmigen Anhängern, Lunula-Amulett und Ohrringpaar mit Rosettenscheiben und Amphoren. Eine Grabbeigabe aus der Zeit um 300 v. Chr. Mit gut dokumentierter Provenienz bis ins 19. Jahrhundert.
15.500 €

Verfügbarkeit: Verfügbar

Objektnummer: AR2888
Details

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Objekt: Ensemble aus hellenistischem Goldschmuck

Material: Gold.

Datierung: Um 300 v. Chr.
Hellenistische Zeit.

Beschreibung:    Bei dem Ensemble handelt es sich um qualitativ hochwertigen Goldschmuck aus hellenistischer Zeit, der vermutlich einst als Grabbeigabe diente. Er besteht aus drei Elementen, einer Kette, einem Paar Ohrringe, sowie einem Anhänger, der entweder Teil der Kette war oder als Haarschmuck diente.

Kette
Die Kette besteht aus 82 modern aufgefädelten linsenförmigen hohlen Goldperlen, wobei 39 Perlen starr mit einem amphorenförmigen Anhänger verbunden sind. Den Abschluss zu beiden Seiten der Perlenreihe bildet jeweils eine Hülse in der Form eines Hohlkegels. Auf der Außenseite ist die Hülse ornamental verziert.
Charakteristisch sind vor allem die amphorenförmigen Anhänger. Higgins gibt in seinem unten genannten Buch eine sehr gute Abhandlung dazu, in der er auf die Formentwicklung eingeht. Die hier vorliegende Form ist ein Zwischenstand der Entwicklung, die um das Jahr 300 v. Chr. aufkam. Die endständigen hülsenförmigen Perlen sind bereits aus klassischer Zeit bekannt, wobei die ornamental verzierten Exemplare bei dieser Kette sehr gut mit den späteren Varianten aus hellenistischer Zeit übereinstimmen.

Ohrringe
Jeweils eine reich verzierte Rosettenscheibe bildet das Kernstück der Ohrringe. An der Scheibe ist rückwärtig ein Haken angelötet, um den Ohrring ins Ohr zu hängen. Die Vorderseite ist durch eine dreifache Rosette verziert. Im Zentrum sitzt eine Fassung aus Goldblech (bei einem Exemplar fehlend). Entlang des Randes ist ein Spiraldraht gelegt. Über zwei Ösen ist eine Amphora mit Standfuß mit dem Ohrring verbunden, die aus feinen Blechen und Spiraldraht äußerst kunstvoll zusammengesetzt ist. In der Mitte des Körpers ist die Amphora geteilt. Entweder beide Teile waren einst zusammengenäht oder eine Perle befand sich dazwischen, die das Gebilde stabilisierte.

Anhänger
Eine zentrale Scheibe symbolisiert die Sonnenscheibe. Auf ihr sind 12 kunstvoll bearbeitete Golddrähte konzentrisch angeordnet. In Zentrum ist ein Schildbuckel, der in der Mitte eine Rosette mit sechs Blütenblättern trägt, darum sind drei Doppelspiralen aus Spiraldraht angeordnet. Die Sonnenscheibe wird oben von einer Mondsichel aus vierkantigem dicken Golddraht gerahmt. An dessen Enden sitzt jeweils eine Traube aus pyramidenförmig angeordneten Goldperlen und darüber eine Rosette mit sechs Blütenblättern. Zentral am Halbmond ist eine Öse zum Auffädeln des Anhängers angesetzt.
Es handelt sich um eine Variante der halbmondförmigen Anhänger, auch als Lunulae bezeichnet, die in hellenistischer Zeit wieder in Mode kamen. Die Form war einst im Orient verbreitet und gelangte erstmals im 7. Jh. v. Chr. durch die handeltreibenden Phönizier in die griechische Welt. Nach Jahrhunderten der Vergessenheit wurden Lunulae um das Jahr 300 v. Chr. wieder aufgegriffen.

Hintergrund: Ensemble oder Pasticcio? Stammt der Schmuck also aus einem gemeinsamen Fund oder aus verschiedener Herkunft? Das ist die spannende Frage bei dieser Gruppe, bei welcher wir nach dem neusten Stand der Forschung zur Antwort Ensemble tendieren. Aber das war nicht immer so.
In der ersten schriftlich überlieferten Einordnung des Schmucks aus dem Jahr 1906 nimmt W. Lerman eine vollzählig erhaltene zusammengehörige Gruppe an und datiert sie etwas früher, in das 5. Jh. v. Chr.
Dr. Hamdorf stellt 76 Jahre später in seiner Einordnung von 1982 fest, dass Kette und Ohrringe aus der Zeit um 300 v. Chr. stammen. Für den Anhänger mit Scheibe und Mondsichel vermutet er jedoch eine Herstellung 500 Jahre später, in der römischen Zeit. Zwar bemerkt er, dass es vergleichbare Stücke schon in frühhellenistischer Zeit gab, aber schließlich zieht er ein sehr ähnliches Exemplar im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg heran (Inv.nr. 1892, 125/6).
Dieser Lunula-Anhänger im Museum für Kunst und Gewerbe ist also ein Schlüssel in der Frage "Ensemble oder Pasticcio". Hoffmann und von Claer datierten diesen in ihrem 1968 erschienenen Katalog in die römische Kaiserzeit, denn Anhänger dieser Art wurden in der Tat seit dem Hellenismus immer wieder abgewandelt und auch in römischer Zeit weiter produziert. Doch Deppert-Lippitz datiert dasselbe Exemplar anhand neuerer Erkenntnisse im Jahr 1985 in das 3. bis 2. Jh. v. Chr.
Damit würde es durchaus in den zeitlichen Rahmen passen und knüpft an die frühere Einschätzung der Gruppe zu Beginn des 20. Jahrhunderts an. Zu dieser Zeit waren alle Elemente aufgefädelt und der Knoten mit Wachs versiegelt. Dies spricht dafür, dass sie im 19. Jh. als Ensemble gesehen wurden. Auch wenn die Fundumstände leider nicht überliefert sind, spekulieren wir, dass dieser Goldschmuck im 19. Jh. als zusammengehörige Gruppe erworben wurde und tatsächlich aus einem einzigen Fund stammt. Ähnliche Gruppen sind als Grabbeigabe aus hellenistischer Zeit zahlreich überliefert. Das halbmondförmige Element hätte sich dann als Anhänger an der Kette befunden, oder war Teil eines zusätzlichen Haarschmucks, bei dem der Anhänger auf der Stirn gelegen hätte.

Maße: Ohrringe jeweils ca. 40mm lang. Der Lunulaanhänger 22mm breit. Die aufgereihten Kettenglieder ca. 190mm lang. Alles zusammen etwa 35g schwer inklusive Faden.

Zustand: Hervorragender Zustand. Kette aus 82 Goldperlen, davon 39 Perlen mit amphorenförmigem Anhänger, 43 Perlen ohne Anhänger. Bei einem amphorenförmigen Perlenanhänger ist die Spitze abgebrochen und fehlend.
Die Ohrringe weisen winzigen Fehlstellen in dem dünnen Goldblech auf, die jedoch den überwältigenden Gesamteindruck nicht stören. In der Mitte der einen Rosettenscheibe fehlt eine Halterung aus Goldblech. Möglicherweise war einst jeweils eine Perle in der Mitte der Amphoren aufgefädelt, die nun fehlt, es könnte jedoch auch nur die Fügestelle zwischen beiden Teilen der Amphoren aufgegangen sein.
An dem Lunulaanhänger möglicherweise die Spitze der einen Traube aus kleinen Perlen restauriert.

Provenienz: 2019 von uns im deutschen Kunsthandel erworben. Zuvor seit dem 19. Jahrhundert durchgehend in einer deutschen Generationensammlung.
Im Jahr 1982 wurde das Ensemble von Dr. Friedrich Wilhelm Hamdorf der Staatlichen Antikensammlungen und Glyptothek München untersucht. Eine schriftliche Expertise von Dr. Hamdorf liegt uns in Kopie vor. Auch aus dem Jahr 1906 stammt ein Schreiben zu dem Ensemble von Dr. Wilhelm Lermann aus München, das uns in Kopie vorliegt. Es richtet sich an Franz von Löher (1857 bis 1917), der den Schmuck von seinem Vater erbte. Der Vater, ebenfalls mit Namen Franz von Löher (1818 bis 1892), war offenbar der Käufer des Ensembles und ein großer Freund der antiken Kunst.

Prof. Dr. Franz von Löher (1818 bis 1892) war ein deutscher Historiker und Politiker. In seiner vielfältigen akademischen Laufbahn engagierte er sich im Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, war Mitglied der Historischen Kommission der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Leiter des bayerischen allgemeinen Reichsarchivs, sowie Lehrstuhlinhaber für allgemeine Literaturgeschichte und Länder- und Völkerkunde. In seiner Zeit unternahm er zahlreiche internationale Reisen, auf denen er möglicherweise auch dieses Schmuckensemble erwarb. Zum Ende seiner Karriere musste er Ämter aufgeben, da er für Ludwig II. zahlreiche Aufträge ausführte und mit dessen Diffamierung ebenfalls in die Kritik geriet. Er hinterließ als Bücher verlegte Reiseberichte von Zypern, Kreta, der griechischen Küste, sowie Sizilien und Neapel. Ein Schmuckstück, dass er auf Zypern gesehen haben muss, zog er als Vergleich für dieses Ensemble heran, wie aus dem oben erwähnten Schreiben von 1906 hervorgeht.
Dieses Objekt wurde mit der Datenbank von ArtLoss abgeglichen, die gegenwärtig über 500,000 als gestohlen oder verloren gemeldete Objekte umfasst und auch aktiv die entsprechenden Datenbanken von Interpol und vom FBI einbezieht. Ein ArtLoss-Zertifikat liegt vor.

Referenzen: Für die Kette:
Vgl. F. H. Marshall, Catalogue of the Jewellery Greek, Etruscan & Roman in the Departments of Antiquities British Museum, Tafel XXXIV, Nr. 1948 für Perlen mit amphorenförmigem Anhänger.
Vgl. R. A. Higgins, Greek and Roman Jewellery, S. 168 und Tafel 49 für Perlen mit amphorenförmigem Anhänger.
Vgl. B. Deppert-Lippitz, Griechischer Goldschmuck, S. 166 für die Perlen.
Vgl. Gold der Thraker, Archäologische Schätze aus Bulgarien, Farbtafel auf S. 155 und S. 163, Nr. 323, für sehr ähnliche Hülsen als Endperlen einer Kette. Das dort gezeigte Ensemble stammt aus dem Schatzfund aus dem Maltepe-Hügel bei Mesek in Bulgarien, der in die Zeit 350 v. Chr. bis 300 v. Chr. datiert.

Für die Ohrringe:
Vgl. H. Hoffmann und V. von Claer, Antiker Gold- und Silberschmuck, S. 102, Nr. 66.
Ähnlich F. H. Marshall, Catalogue of the Jewellery Greek, Etruscan & Roman in the Departments of Antiquities British Museum, Tafel LI, Nr. 2332.
Ähnlich B. Deppert-Lippitz, Griechischer Goldschmuck, S. 265, Nr. 197.

Für den Anhänger:
Vgl. H. Hoffmann und V. von Claer, Antiker Gold- und Silberschmuck, S. 63f, Nr. 42 und S. 82, Nr. 53.
Und für eine neuere Zuordnung desselben Anhängers wie von Hoffmann und v. Claer beschrieben vgl. Deppert-Lippitz, Griechischer Goldschmuck, S. 220, Nr. 156 und S. 222.
Vgl. F. H. Marshall, Catalogue of the Jewellery Greek, Etruscan & Roman in the Departments of Antiquities British Museum, Tafel LXVIII, Nr. 2930.

Echtheit: Die Echtheit wird, wie bei allen unseren Objekten, ohne zeitliche Einschränkung garantiert.