Gefäß der Linearbandkeramischen Kultur

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Gefäß der Linearbandkeramischen Kultur
Das schön verzierte Essgeschirr oder Kochgeschirr stammt von den frühesten Bauern in Europa, den neolithischen Bandkeramikern. Hervorragend erhaltenes Fundstück aus Süddeutschland.
auf Anfrage

Verfügbarkeit: Verkauft

Objektnummer: AR2696
Details

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Objekt: Gefäß mit Bandmuster-Verzierung

Material: Ton mit braunem Überzug.

Datierung: Linearbandkeramische Kultur,
5200 v. Chr. bis 4900 v. Chr.
Jungsteinzeit in Mitteleuropa.

Beschreibung:    Kleines kugelförmiges Gefäß mit rundem Boden. Der extrem kurze Hals zeigt leicht nach außen. Die Außenseite ziert ein spiralartiges Liniendekor. Es handelt sich um Essgeschirr oder Kochgeschirr der frühesten Bauern in Mitteleuropa.

Hintergrund: Die Linearbandkeramische Kultur änderte alles (auch Bandkeramische Kultur und Linienbandkeramische Kultur genannt). Es sind die ersten echten Bauern in Mitteleuropa, mit dauerhaften Siedlungen, festen Häusern, Brunnen, speziellen Werkzeugen für den Ackerbau und einer Keramikproduktion im großen Stil. Kaum vorstellbar, welchen Kulturschock dies für die noch nomadischen Zeitgenossen bedeutet hat. Der Konflikt ist so fundamental, dass er in der Bibelstelle gesehen wird, in welcher Kain seinen Bruder Abel erschlägt - der Bauer und Städtegründer besiegt den Nomaden.
Doch die neolithische Revolution hat auch greifbare Spuren hinterlassen. Manche der ersten Tongefäße, wie das hier vorliegende Exemplar, haben bis heute die Zeiten überdauert. Die Funde aus Mitteleuropa nannten die Archäologen "Bandkeramik", da sie mit charakteristischen bandartigen Mustern aus eckigen, spiral- oder wellenförmigen Linien verziert waren. Der Name wurde schließlich auf die Kultur übertragen, welche die Tonwaren produzierte und die neolithische Revolution nach Mitteleuropa brachte.

Maße: 103mm hoch, ca. 125mm Durchmesser.

Zustand: Aus mehreren Fragmenten professionell restauriert und dabei bis zu 30% ergänzt. Für ein Gefäß dieses Alters ein hervorragender Zustand und sehr schön anzusehen. Nur minimale Bestoßungen verbleibend.

Provenienz: 2019 durch uns erworben aus der deutschen Familiensammlung Rehorik. Diese wurde in den 1960er und 1970er Jahren von Hugo Rehorik aufgebaut. Es handelt sich sämtlich um Bodenfunde aus der Region Regensburg (Deutschland).
Hugo Rehorik (1905-1979) arbeitete in der Umgebung von Regensburg als ehrenamtlicher Archäologe, meist zusammen mit Hans-Jürgen Werner (1941-1997) und mit der Hilfe von Gerhard und Robert Pleyer. Sie unterstützen so das Landesamt für Denkmalschutz bei der Bergung von Bodenfunden. Die Unterstützung war sehr wichtig, denn in den 1960er Jahren wurden vermehrt tiefer reichende Pflüge über die Äcker gezogen, vor denen Fundstücke schnell durch Notgrabungen gerettet werden mussten. Von den fest angestellten Archäologen wurde diese Zusammenarbeit hoch gelobt. Sie ist ein schönes Beispiel für gelebten Denkmalschutz unter Einbeziehung freiwilliger Helfer und ein dringend benötigtes Vorbild für die heutige Zeit.
Die Funde wurden wissenschaftlich aufgearbeitet und aufwendig restauriert. Die Restaurierungen führte der Präparator Heinz Rademacher (1929-1992) vom städtischen Museum Regensburg durch. Die meisten Stücke wurden dann an Museen gegeben, und zwar an das Historische Museum in Regensburg, das Naturkundemuseum Regensburg, sowie die archäologische Staatssammlung in München. Einzelne Stücke wurden mit Einwilligung der Landesarchäologen unter den Hilfsarchäologen aufgeteilt. So entstand die Sammlung Rehorik.

Referenzen: Vgl. Björn-Uwe Abels, Frühe Kulturen in Oberfranken, S. 17, 8. von links oben, 1. v. l. unten.
Vgl. H. T. Fischer, Archäologische Ausgrabungen und Funde in der Oberpfalz 1980/1981, S. 232, Nr. 3.

Literatur zur Sammlung Rehorik: S. Kuchlmayr, Vom Tertiär zur Römerzeit: Hugo Rehorik u. seine Funde, in Regensburger illustriertes Stadtmagazin Nr. 3 / 5 (1979), S. 14f.
A. Stroh, Bericht der vorgeschichtlichen Abteilung des Museums Regensburg (1965), erwähnt Hugo Rehorik im Zusammenhang mit zahlreichen Funden und Forschungsergebnissen; Stroh schreibt "Die Umsicht und das Interesse von Kaufmann Hugo Rehorik haben die Forschung heute wieder auf Burgweinting hingewiesen. Er wurde bei einer Geländebegehung auf eine Spolie aufmerksam. Der Stein, zwar schwer beschädigt, hatte noch deutliche Reste figürlicher Reliefs, die ihn als Grabstein ausweisen. H . Rehorik forschte der Herkunft des Steines nach und erfuhr, daß dieser zusammen mit anderen Spolien, die jetzt in einem Tümpel lagen, aus dem Gemäuer des Judentempels, einer romanischen Burgkapelle, stammte. R. führte die recht schwierige Bergung aller Steine durch und verbrachte sie in das Museum, dem er sie als Geschenk überließ. [...] Es bleibt die Hoffnung, fernere Beobachtungen unserer Mitarbeiter und Freunde werden noch mehr Blicke in das Dunkel der heimischen Vorzeit hier oder anderswo gewähren. Vor allem aber sei Herrn Rehorik für seine Mühewaltung und großzügige Geschenkgabe gebührend gedankt. ".
F. D. Davis, Neue bandkeramische Gräber von Mangolding (1968), beschreibt u.a. eine Grabung, an der Hugo Rehorik beteiligt war.
H. T. Fischer, Archäologische Ausgrabungen und Funde in der Oberpfalz (1982) erwähnt u.a. Hugo Rehorik und vermerkt "[Es] sei betont, daß dennoch nicht alle von der Zerstörung bedrohten Denkmäler ordnungsgemäß gegraben werden konnten. Wiederum verdanken wir eine Fülle von Funden und Informationen unseren ehrenamtlichen Mitarbeitern, denen unser herzlicher Dank gilt. ".
T. Fischer, Im memoriam Hans-Jürgen Werner, in Acta Albertina Ratisbonesia 50/2, S. 231ff (1997), darin eine sehr gute Zusammenfassung der Zusammenarbeit mit Hugo Rehorik und der damaligen Situation und Arbeitsweise.

Echtheit: Die Echtheit wird, wie bei allen unseren Objekten, ohne zeitliche Einschränkung garantiert.