Vor der Erfindung des Spinnrades und bereits seit spätestens dem frühen Neolithikum benutzte man Handspindeln, bestehend aus Schaft und Spinnwirtel (auch Spindelringscheibe, Wirtelstein oder Wörtel genannt) zur Garnherstellung. Spinnwirtel wurden an das Ende des Schafts gesetzt und dienten als Schwungmasse. Meist hatte der Schaft eine erhabene Stelle, an der man den Spinnwirtel mit seinem zentralen Bohrloch feststecken konnte. Durch das Gewicht am Ende hatte des Stabes konnte die Handspindel in eine schnelle, langanhaltende Drehung versetzt werden. Die Spindelbewegung und die richtige Zuführung einzelner Fäden ermöglichte es die Fäden zu einem festen Garn zu spinnen.
Da Spinnwirtel noch in der Antike häufig aus Stein waren, gehören sie zu den wenigen vorantiken, antiken und römischen Alltagswerkzeugen, die heute gut bekannt sind und häufig gefunden werden. Sie bieten die faszinierende Möglichkeit ein wichtiges römisches Handwerkzeug sehr einfach in eine Antikensammlung aufzunehmen. Die Zuschreibung ist dabei häufig schwierig, da es sich um einfache Objekte handelt, deren Zweck sich nicht zwangsläufig anhand der Form erschließt. So ist häufig auch eine Funktion als Perle oder Gewicht denkbar.
Die folgenden Bilder zeigen Beispiele von Spinnwirteln aus römischer Zeit, die Materialien sind Blei, Ton und Stein.

  Großer antiker Spinnwirtel 

Spinnwirtel aus Ton, keltische bis römische Zeit.

Römischer Spinnwirtel aus Blei
Spinnwirtel aus Blei, römische Zeit.

Gruppe von 2 Spinnwirteln aus Stein
Spinnwirtel aus Stein, hellenistische bis römische Zeit.

Referenzen:
Vgl. British Museum, "Guide to the antiquities of Roman Britain", Seite 51, D4.


Literatur:
Bette Hochberg, Handspindles (1993);
Almut Bohnsack, Spinnen und Weben, (1981).